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Der Richthofen Circle

Es gibt einen interessanten Vergleich zwischen Kitzingen und Fürth: Als die US-Streitkräfte aus Fürth -ca. 100.000 Einwohner - abzogen, blieb eine Konversionsfläche von ca. 40 Hektar zurück.
Als die Amerikaner Kitzingen verließen, „erbte“ die Stadt - die nur etwa ein Fünftel der Einwohner Fürths hat - das Zehnfache an Konversionsflächen, also rund 400 Hektar! Dies zeigt die Größe der Aufgabe, vor der Kitzingen stand und noch steht.
Die Stadtväter Fürths betrachteten damals mit Sorge ihr Erbe. Inzwischen ist daraus ein attraktives Wohngebiet mit Versorgungseinrichtungen entstanden, auf das die Fürther stolz sind, nicht nur weil es Städtebau-Preise gewann. Wesentlich beteiligt an der erfolgreichen Umnutzung war der Investor und Immobilienspezialist Manfred Maier.

Der Richthofen Circle

Folglich war es ein Glücksumstand - quasi eine win-win-Situation auch für Kitzingen - dass Maier sich für den Richthofen Circle begeisterte und den Zuschlag erhielt.
Als er die Immobilie aus dem „Dornröschenschlaf“ weckte, hatte sie durch jahrelange Nichtnutzung gelitten. Doch nicht deshalb bleibt Maier seine erste Begehung unvergessen: „Wow, so etwas Geniales hatte ich noch nie gesehen! Überhaupt gefiel mir die ganze Anlage samt Ambiente, deren Freiräume und Weitläufigkeit, die Anordnung der Gebäude, der Baumbestand, die unmittelbare Lage am Wald – ideal für eine hervorragende Kombination von Gastronomie, Wohnen, Erlebnis und Freizeit!“

Maier krempelte die Ärmel hoch, nahm einiges – und nicht wenig! – Geld in die Hand, ließ renovieren und restaurieren, abreißen, um- und neu bauen. Binnen weniger Jahre entstanden so ein Hotel mit Restaurant, Bar, Biergarten, Veranstaltungs- und Tagungsräumen, ein Wohnpark mit Einfamilien- und Doppelhäusern plus Wohnungen, eine Appartement-Anlage, eine multifunktionale Freizeit- und Sporthalle sowie ein „Dorf für Pferde“, das in der Region einmalig ist - ein kleiner, feiner Kitzinger Stadtteil mitten im Grünen. Um an einem Randbeispiel Dimensionen zu verdeutlichen – allein für die ebene Fläche für Reitplatz und -halle mussten 10.000 m3 Hangerde abgetragen werden; wochenlang fuhren die Laster.

Wo früher also amerikanische Offiziere wohnten, fühlen sich jetzt Kitzinger Familien wohl. Im Clubcasino, in dem 4-Sterne-Generäle dinierten, kann man dies nun als Zivilist, kann Hochzeiten und andere Feste feiern oder Tagungen abhalten. Im Ballsaal wird regelmäßig das Tanzbein geschwungen, werden Filme gezeigt. Wo sommers militärische Verabschiedungen stattfanden, genießen Gäste im lauschigen Biergarten unter alten Bäumen kühle Getränke, während die Kinder ungefährdet vom Verkehr auf Spielgeräten toben. Und manchmal geht es hier ebenso hoch her wie zu US-Zeiten – z.B. jetzt, wenn im Saal eine riesige Leinwand und bequeme Plätze zum WM-Public-Viewing einladen.

Einst war es militärisches Sperrgebiet, unzugänglich für die allermeisten Kitzinger und terra inkognita, unbekannt. Das Tor ist weg, das Areal mit all seinen Angeboten lädt ein. Es ist ein Beispiel, dass Kitzingen auch Konversion kann – man muss nur die richtigen Partner finden und deren Wissen und Erfahrung vertrauen.
Erleben Sie einfach mal den Richthofen Circle – ein Besuch, ein Spaziergang, eine Radtour lohnen immer!

Volkmar Röhrig, Foto Michael Herbert

Reichs Vitrine - 1963 - Der Sandwich-Koch - Auszeichnung 1989

Sein Platz

Eigentlich war ich auf der Suche nach jemandem, der mit etwas erzählen konnte zum Richthofen Circle aus der US-Army-Zeit.
„Fragen Sie Franz Reich, den langjährigen Manager des Offizierscasinos“, riet Manfred Maier, der Eigentümer des Areals. „Der kommt jeden zweiten Tag vorbei, um hier nach dem Rechten zu sehen.“ Das klang ein wenig nach „graue Eminenz“, nach Controller, nach einem, der nicht loslassen kann von seiner alten Wirkungsstätte.
Also traf ich Reich, einen untersetzten Endsiebziger, aber ungeheuer agil und lebendig, gutgelaunt und mit unversiegbarem Redefluss, der mich sofort mitnahm auf eine spannend-unterhaltsame Reise durch 60 Jahre Leben…
In den 50er Jahre war er aus dem Thüringischen abgehauen, auch um nicht in die DDR-Volksarmee zu müssen. Er kam hier in den Landkreis und arbeitete auf dem Bau. Da im Winter in der Branche z.T. die Arbeit ruhte, fand er eine Kellnerstelle in der US-Mannschaftskantine. „Ich konnte kein Wort englisch“, sagt Reich. „Aber ich wollte Geld verdienen!“
Die Amerikaner mochten seine lockere, unkomplizierte und zupackende Art, „Brocken by Brocken“ lernte er deren Sprache. Offiziere wurden auf ihn aufmerksam, bereits ein halbes Jahr später stand er als Steward hinter der Bar des Offizierscasinos. Er erwies sich als findig, kenntnisreich, organisationsbegabt. Und als die Stelle des Casinomanagers vakant wurde, fragte man Reich.
„Das war dann Stress, wenig Schlaf, aber auch Spaß pur!“, erinnert er sich. „Den ganzen Laden tagtäglich von Küche und Lager über Service bis Inventar und Buchhaltung organisieren. Dazu jede Menge Empfänge, Feiern und Partys.“ Und „seine“ Offiziere waren nach Dienst oft ausgelassen bis unberechenbar, zumal in Verbindung mit Alkohol. „Einmal war eine Einheit hier, die trug in ihrem Wappen einen Elefanten, und in Kitzingen gastierte gerade ein Zirkus“, erinnert sich Reich. „Da haben die einen Zirkus-Elefanten hier heraus gebracht – und durch die niedrigen Wintergartentüren bis rein in den Ballsaal! Ich hab Blut und Wasser geschwitzt, dass der Fußboden unter dem Koloss nicht einbricht!“
Reich erzählt und erzählt, zeigt stolz Fotos, viele der Offiziere waren und sind Freunde, mit denen er immer noch in Kontakt steht, sogar Trauzeuge war er. Und nicht nur Sterne-Generäle schickten ihm Dankschreiben „for providing professional and courteous service“, „for the superb evening“. In der Bar findet man noch eine Vitrine, die ist voller Andenken daran.
Nebenbei erfahre ich, dass er auch seine Frau hier kennen gelernt hat. Wo sonst, denke ich, weil ich mir inzwischen nicht vorstellen kann, dass er noch ein anderes Leben, eine Familie, außerhalb seines Casinos hatte. Doch stets und in allem war er glücklich. Glücklich ist er nun wieder, trotz des Abzuges der amerikanischen Freunde und Wegbegleiter; glücklich vor allem, weil Manfred Maier den Richthofen Circle und vor allem sein Casino zu neuem Leben erweckt hat. Für Maier war er nicht nur während der Renovierung als Berater unschätzbar. Denn Franz Reich zaubert auch ausgezeichnete Sandwichs, vor allem bei Veranstaltungen. Absoluter Favorit bei den Gästen ist sein „Clubsandwich“ – bestellen Sie es, dann wissen Sie warum!

Volkmar Röhrig,
Fotos: privat (2), Michael Herbert (2)

Siehe auch Facebook „Kitzingen am Main“

Foto Wettbewerb Mein Lieblingsplatz
Über 130 Fotos wurden zum Wettbewerb „Mein Lieblingsplatz“ eingereicht (siehe Stadtmagazin 5/14); die besten 10 wurden nun ausgezeichnet. Alle Fotos sind ab 15. Juli in einer „Stadtgalerie“ in Kitzinger Geschäften ausgestellt. Ein Schaufenster-Bummel ist unbedingt zu empfehlen!

Zur Auszeichnung: Alfred Söhlmann, Würzburg (1. Platz), Rudolf Stadel, Kitzingen/Hohenfeld (2. Platz), Monika Hofmann, Ochsenfurt (4. Platz), Siegfried Müller, Oberbürgermeister, Stefan Preller, Großlangheim (3. Platz), Dr. Brigitte Endres-Paul, Kulturreferentin, Fabienne Mahlmeister, Kitzingen (Jugend Sonderpreis), Volkmar Röhrig, Juror, Heiko Esch, Langenselbold (7. Platz), Bjorn
Windorf, Gerbrunn (8. Platz), Eric Colditz, Erlabrunn (9. Platz).

Foto: Ralf Weiskopf.

Quelle: Stadtmagazin Kitzingen, Ausgabe 06/2014